Wieso eine Ovni?
01. Januar 2026
Ein Segelboot ist immer ein Kompromiss – wie wahrscheinlich viele Dinge im Leben. Grosser Salon, aber dafür weniger gutes Verhalten auf dem Meer? Weniger Tiefgang, dafür weniger Leistung hoch am Wind? Günstiges Boot, dafür weniger Sicherheit?
Es gibt viele Entscheidungen zu treffen. Aber hier die für mich wichtigsten Punkte. Rumpf-Material: Warum Aluminium?
Das Material des Rumpfs ist ein Grundsatzentscheid. Die meisten Boote unter 20 Meter sind aus GFK, also glasfaserverstärktem Kunststoff. Dann kommen mit Abstand Aluminium, Stahl und Holz. Und dann gibt es noch exotische Sachen wie Ferro-Zement.
Warum habe ich mich für Aluminium entschieden? Vor allem wegen der Sicherheit: Aluminium verbiegt sich, bevor es splittert, nimmt keine Feuchtigkeit auf und ist deshalb nicht von Osmose betroffen. Ausserdem ist es praktisch wartungsfrei – kein Rost wie bei Stahl, kein Lackieren wie bei Holz, keine Osmose wie bei GFK.
Aber Aluminium hat zwei entscheidende Nachteile: Korrosion und die hohen Kosten.
Die Korrosion kann Aluminium “zerfressen”, wenn man nicht aufpasst. Dafür sind am Rumpf Anoden angebracht, die ab und zu erneuert werden müssen. Im Boot gibt es ein Testgerät, das überprüft, ob irgendwo Strom aus dem Rumpf fliesst und so Korrosion verursacht. Bei der Kiruna ist da alles im grünen Bereich.
Die hohen Kosten kommen durch die aufwendige Verarbeitung. Der ganze Rumpf muss mehr oder weniger von Hand geschweisst werden. Keine Grossserienproduktion wie bei Jeanneau oder Bavaria. Mein Eindruck ist, dass Alubat mit die meisten Aluboote in meinem Segment baut und damit auch die meiste Erfahrung hat.
Aluminium hat noch eine besondere Eigenschaft: Es bildet eine Oxidationsschicht, die einen viel höheren Schmelzpunkt hat als das Metall selbst. Beim Schweissen muss man deshalb mit speziellen Geräten arbeiten, die gleichzeitig eine Schutzatmosphäre erzeugen. Das macht Reparaturen unterwegs schwierig. Besegelung: Flexibilität durch Kutter-Rigg
Die Kiruna hat ein Kutter-Rigg mit einem Grosssegel und zwei Vorsegeln – einer grossen Genua und einer kleinen Trinquette. Die meisten Serienyachten haben nur ein Vorsegel. Da alle Segel (auch das Grosssegel) auf Rollern sind, ist es einfach, sie zu reffen oder zu bergen.
Das Grosssegel hat keine Latten – das kostet etwas Leistung, macht aber die Handhabung einfacher. In der Steuerbordkoje liegt noch ein Spinnaker. Ob ich den jemals brauchen werde, steht in den Sternen. Er wurde offenbar schon lange nicht mehr benutzt. Unterwasserschiff: Der Vorteil des Kielschwerts
Ein Merkmal finde ich besonders spannend: Die Kiruna ist eine Jolle – nicht im Sinne von “kleines Boot”, sondern weil man das Kielschwert einziehen kann.
Wenn man hoch am Wind segelt, hat man über zwei Meter Tiefgang und entsprechende Abdrift. In flachem Wasser, beim Trockenfallen oder auf Vorwindkurs zieht man das Schwert einfach ein – dann kommt Kiruna mit 80 cm Tiefgang aus.
Auf den Kanaren hätte sich das als praktisch erwiesen: Wir ankerten in 5 Meter Tiefe, aber der Tidenhub würde den Wasserspiegel über Nacht um 1,70 Meter absenken. Unser Boot hatte 2,25 Meter Tiefgang – es blieb also nur 1,05 Meter Spielraum. Mit Kiruna wären es 2,45 Meter gewesen. Innenausbau: Komfort zählt auch
Viele Käufer entscheiden sich für ein Boot wegen des Innenausbaus. Ist der Salon gross genug? Ist die Koje bequem? Hat es eine Duschkabine? Wie breit ist das Cockpit?
Ich weiss, dass die Entscheidung nicht davon abhängen sollte. Aber natürlich spielt es eine Rolle, wie ein Boot innen aussieht – man verbringt ja viel Zeit darin.
Das Layout von Kiruna ist typisch für moderne Yachten: fixer Esstisch mit Bänken, ausreichend grosser Navitisch, eine Kabine vorne und zwei Kabinen hinten. Besonders gefällt mir aber der Salon – dank der breiten Rumpfform hat man viel Platz. Der Kielkasten trennt den Gang vom Esstisch, ohne dass man etwas ausklappen muss. Reputation: Was andere sagen
Bevor man sich für ein Boot entscheidet, sollte man nachlesen, was andere darüber sagen. Jimmy Cornell, ein bekannter Langfahrtsegler, hatte eine Ovni 43 und hat seine Erfahrungen hier geteilt.
Generell haben diese Yachten einen hervorragenden Ruf. Ich habe kaum etwas Negatives gefunden. Sie gelten als robust, seetüchtig und ideal für Langfahrten. Fazit
Die Kiruna ist kein Boot für Wochenendtörns. Sie ist gemacht für Abenteuer – mit Aluminiumrumpf, Kutter-Rigg und Kielschwert. Ja, sie ist teurer als eine Serienyacht. Aber sie bietet auch etwas, das viele andere Boote nicht können: Sicherheit, Langlebigkeit und Freiheit.